Durchführung eines Forschungsprojekts zur Standort- und Fachkräftesicherung durch mehr Familienfreundlichkeit in Unternehmen im Gebiet des Rhein-Erft-Kreises

21. Februar 2013, Fraktionsanträge

Antrag zur Sitzung des Kreisausschusses am 21.02.2013

Produkt 01.111.03 (Gleichstellung von Frau und Mann) ● Sachkonto: 4xxxxxx und 5431900

 

Sehr geehrter Herr Landrat Stump,

wir beantragen, der Kreisausschuss möge beschließen:

Der Kreisausschuss spricht sich für die Durchführung eines Forschungsprojekts zur Standort- und Fachkräftesicherung durch mehr Familienfreundlichkeit in Unternehmen im Gebiet des Rhein-Erft-Kreises aus. Ziel ist es eine systematische wissenschaftliche Untersuchung der Möglichkeiten, Potenziale und Erfolgschancen von arbeitsplatznahen Betreuungseinrichtungen zum Erhalt und Steigerung der regionalen wirtschaftlichen Dynamik vorlegen zu können. Es sollen die zehn Kommunen des Rhein-Erft-Kreises auf die Potenziale, Umsetzungschancen und Hindernisse für  Betreuungseinrichtungen in oder in der Nähe von Gewerbegebieten empirisch untersucht werden. Aus der Analyse sollen Handlungsempfehlungen bzw. Strategien und Konzepte für eine Steigerung der Familienfreundlichkeit in den Unternehmen des Rhein-Erft-Kreises abgeleitet werden. Der Ansatz für sonst. Geschäftsaufwendungen wird zu diesem Zweck um jeweils 54.000 Euro für die Jahre 2013, 2014 und 2015 erhöht und mit einem Sperrvermerk für den Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Senioren, Familie und Integrationsfragen versehen. Die Verwaltung soll dem Ausschuss in seiner nächsten Sitzung über die mögliche Umsetzung des Projektes berichten.

Gleichzeitig wird ein Sachkonto im Ertragsbereich in Höhe von 27.000 Euro eingerichtet. Die Verwaltung wird beauftragt für dieses Projekt Fördermittel einzuwerben, die eine Co-Finanzierung ermöglichen.

Die Verwaltung wird beauftragt etwaige Mittel für dieses Forschungsprojekt, die in 2013 nicht gebraucht werden, für den Haushalt 2016 in der mittelfristigen Finanzplanung vorzusehen.

Begründung:

Bereits heute zeichnet sich in vielen Regionen Deutschlands ein ausgeprägter Fachkräftemangel ab, der keineswegs nur Akademiker, sondern auch viele andere gut ausgebildete Fachkräfte betrifft. In den kommenden Jahren wird der demographische Wandel dazu führen, dass immer weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, während die geburtenstarken Jahrgänge spätestens ab den 2020er Jahren in den Ruhestand gehen werden. Der bereits heute prognostizierbare Fachkräftemangel wird spätestens dann zum limitierenden Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Ausbau von Betreuungseinrichtungen wird unvermeidlich sein, wenn die Kommunen des Rhein-Erft-Kreises für Hochqualifizierte langfristig attraktiv sein wollen. Aber nicht nur die reine Quantität, sondern auch die Standorte dieser Einrichtungen werden entscheidend für die Attraktivität der Kommunen sein. Viele Großunternehmen haben die Bedeutung von arbeitsplatznahen Betreuungslösungen bereits erkannt und beispielsweise Betriebskindergärten eingerichtet. Für viele kleine und mittlere Unternehmen wird Letzteres aus Kosten- und Auslastungsgründen nicht möglich sein. Hier wäre es an den Kommunen in oder nahe von größeren Gewerbegebieten entsprechende Betreuungsangebote einzurichten. Der Ausbau von Kinder- und Altenbetreuungsanlagen in Gewerbegebieten ist zwar ein noch relativ junger Ansatz, aber einige Gemeinden in Deutschland haben entsprechende „Zukunftsprojekte“ jüngst gestartet. Die Initiierung eines Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit einer regionalen Universität würde ein hohes Niveau der Projektbearbeitung sicherstellen. Damit bestünde die Chance, sowohl praktische, politik- und planungsbezogene als auch publizierbare wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Das Thema Familienfreundlichkeit in Unternehmen steht in einem deutlichen Zusammenhang mit der Thematik Fachkräftesicherung und ist damit auch wichtiger Bestandteil des Standortmarketings für den Rhein-Erft-Kreis.