Unterrichtsbedingungen an unseren Schulen im Rhein-Erft-Kreis

26. Januar 2012, Kleine Anfrage & Antwort

Antwort
der Landesregierung
auf die Kleine Anfrage 1422 vom 29. Dezember 2011
des Abgeordneten Horst Engel FDP

Drucksache 15/3674

Unterrichtsbedingungen an unseren Schulen im Rhein-Erft-Kreis “
Wie sieht die aktuelle Faktenlage aus zur Unterrichtsversorgung, zum Personalbedarf,zum Altersdurchschnitt der Lehrerkollegien und zu den Klassengrößen?

Die Ministerin für Schule und Weiterbildung hat die Kleine Anfrage 1422 mit Schreiben vom 13. Januar 2012 namens der Landesregierung beantwortet.

Vorbemerkung der Kleinen Anfrage

Ein immer wiederkehrendes Phänomen auch in den einzelnen Kommunen des Rhein-Erft-Kreises sind Klagen von Schülern, Eltern und Lehrern über schlechte Unterrichtsbedingungen an den örtlichen Schulen. Angeführt werden beispielsweise eine
nicht ausreichende Lehrerversorgung insbesondere bei Fachlehrern, eine zu hohe Schüler/Lehrer-Relation und zu große Klassen sowie der Ausfall von Unterrichtsstunden
oder die Erteilung von fachfremdem Unterricht.
Auch angesichts des hohen Altersdurchschnitts vieler Lehrerkollegien und der damit
verbundenen beträchtlichen Frühpensionierungsrate aufgrund von steigender
Arbeitsbelastung mit häufigen schulischen Änderungen sind solche Befunde wenig verwunderlich.
Dringend notwendig ist ein alle Schulformen umfassendes Handlungskonzept, das
Qualitätsverbesserungen vorsieht und die zukünftige Unterrichtsversorgung an den Schulen im Rhein-Erft-Kreis sowie landesweit auf einem hohen Standard absichert, damit struktureller
Unterrichtsausfall und fachfremde Unterrichtserteilung möglichst schnell der Vergangenheit
angehören. Der Handlungsbedarf ist auch deshalb gegeben, weil nur ein qualitativ hochwertiges und leistungsfähiges Bildungssystem unseren Jugendlichen die in der heutigen Gesellschaft für ihr persönliches wie berufliches Leben geforderten Qualifikationen vermitteln
kann.

Der Mangelzustand einer in quantitativer und qualitativer Hinsicht nicht zufriedenstellenden
Unterrichtsversorgung verbaut jungen Menschen ihre Zukunftschancen, führt zu einem
unnötigen Qualifikationsdefizit und verstärkt die Einschätzung von Arbeitgebern, dass leider
vielfach offene Ausbildungsstellen auch deshalb unbesetzt bleiben, da zu viele Schulabgänger selbst den grundlegenden Bildungsanforderungen des
Berufsbildungssystems nicht mehr gerecht werden. Vielfach fehlen auch Schulabsolventen
im Rhein-Erft-Kreis die erforderlichen Grundkompetenzen zur erfolgreichen Absolvierung einer Berufsausbildung.
Auch der ernstzunehmende und in den kommenden Jahren voraussichtlich noch an Bedeutung gewinnende Fachkräftemangel verstärkt den Druck auf die Politik, für ein
leistungsfähiges Bildungssystem zu sorgen und die oben genannten Mangelzustände an
Bildungseinrichtungen im Rhein-Erft-Kreis zu vermeiden bzw. schnellstmöglich zu beseitigen.
Beste Bildung entscheidet über die Lebenschancen jedes einzelnen genauso wie über das Wohlergehen unserer Gesellschaft insgesamt. Sie ist ferner die Voraussetzung für den
individuellen sozialen Aufstieg aller Schüler im Kreisgebiet Rhein-Erft.
Die individuelle Förderung eines jeden Schülers sollte zukünftig noch stärker zum Leitgedanken der Bildungspolitik werden. Dies setzt eine auskömmliche
Ressourcenausstattung an allen Schulen im Rhein-Erft-Kreis voraus. Auch daher sollte mittelfristig keine Klasse mehr eingerichtet werden, die mehr als 25 Schüler hat.
Im Sinne einer transparenten Informationspolitik ist es wichtig, dem Parlament für die weitere
Bildungsplanung alle entscheidungsrelevanten Schuldaten zur Verfügung zu stellen und
diesem Informationsbedarf auch für den Rhein-Erft-Kreis und seine einzelnen Kommunen differenziert nachzukommen.
Es wird darum gebeten, jeweils für verwendete Daten den Erhebungsstichtag zur Nachvollziehbarkeit der Aktualität anzugeben. Idealerweise sollten sich die Daten auf das
aktuell laufende Schuljahr beziehen; sollten diese noch nicht zu allen Frageteilen ermittelbar
sein, werden hilfsweise die Angaben zum jeweils letzten verfügbaren Zeitpunkt der Datenerhebung erbeten. Für letztgenannten Fall wäre es hilfreich, im Rahmen der Antwort
mitgeteilt zu bekommen, wann voraussichtlich die ggf. für das aktuelle Schuljahr derzeit noch
fehlenden Daten voraussichtlich zur Verfügung stehen werden. Es wird ferner darum
gebeten, nachfolgend abgefragte Daten jeweils differenziert für die einzelnen Kommunen
des Rhein-Erft-Kreises und einmal aufsummiert für das gesamte Kreisgebiet anzugeben, um
eine möglichst hohe regionale Aussagekraft zu erlangen. Die Schullandschaft in den
einzelnen Kommunen im Rhein-Erft-Kreis weist durchaus Unterschiede auf.

3. Da die Lehrerbedarfe im Rhein-Erft-Kreis im wesentlichen der dortigen
Schülerzahlenentwicklung folgen und eine kommunale Prognose
wahrscheinlich weiterhin nicht zur Verfügung steht: Welche aktuellsten
verfügbaren Zahlen liegen der Landesregierung vor zu den landesweit für die
nächsten zehn Jahre prognostizierten Abgängen aus dem Schuldienst in
Vollzeitlehrerstellen, zum jeweils jährlichen landesweiten
Lehrereinstellungsbedarf in Personen für diesen Zeitraum und dem aktuellen
Anteil der nach den jeweiligen Kommunen differenzierten Schülerschaft des Rhein-Erft-Kreises an der des Landes Nordrhein-Westfalen jeweils differenziert nach Lehrämtern bzw. Schulformen?
Die Berechnung der Lehrkräftebedarfsprognose erfolgt nicht nach einzelnen Schulformen,
sondern nach Lehrämtern. Hintergrund hierfür ist die im Hinblick auf den Einsatz in den
einzelnen Schulformen gegebene Polyvalenz der Lehramtsausbildung. So befähigt etwa das
Lehramt für die Sekundarstufe I zum Unterricht an Haupt-, Real- und Gesamtschulen (bis
Klasse 10) sowie an den neu einzurichtenden Sekundarschulen. Auch können Lehrkräfte mit
der Befähigung für das Lehramt für Sonderpädagogik im Rahmen der integrativen bzw.
inklusiven Beschulung an den allgemeinen Schulen tätig werden.
Auf Grund der Auswirkungen des Schulkonsenses und auf Grund des voranschreitenden
Inklusionsprozesses verlagern sich auch die Lehrerbedarfe zwischen den Schulformen, so
dass für die kommenden Jahre kaum belastbare Aussagen darüber gemacht werden
können, welcher Einstellungsbedarf an den einzelnen Schulformen besteht.
Die voraussichtlichen Berufsaustritte und der Einstellungsbedarf für die kommenden zehn
Jahre, gegliedert nach Lehramt und Schuljahr, können den nachstehenden Tabellen
entnommen werden.
Die Berechnung der prognostizierten Bedarfe ist mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, die
sich insbesondere beziehen auf

– die Schülerzahlentwicklung und die Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die
Schulformen,

– personalrechtliche, bildungs- und haushaltspolitische Entscheidungen,

– das Studierverhalten und die Attraktivität des Lehrerberufs,

– die konjunkturelle Entwicklung, die sich sowohl auf die Schülerzahlentwicklung als
auch auf die Attraktivität des Lehrerberufs auswirkt,

– das Teilzeitverhalten und die Berufsaustritte.

Lesen Sie ab S. 5 detailierte Tabellen im PDF-Dokument: