“Wir müssen den Schwung mitnehmen”

08. Juni 2009, Pressespiegel

Interview von Ralph Jansen im Kölner Stadtanzeiger vom 8. Juni 2009 mit dem FDP-Vorsitzenden im Rhein- Erft-Kreis, Horst Engel, MdL zum Abschneiden seiner Partei bei der Europawahl:

Horst Engel ist Vorsitzender der FDP im Rhein-Erft-Kreis. Der 62-jährige ist innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Bei der Europawahl holte die Partei im Kreis 14,3 Prozent der Stimmen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Engel, haben Sie gestern mit Ihren Parteifreunden den Wahlsieg ordentlich gefeiert?

HORST ENGEL: Nein, gar nicht. Es gab weder Sekt noch Selters. Bei der Wahlanalyse im Landesvorstand steht Apfelschorle auf dem Tisch. Mehr gibt’s nicht. Es gibt ja auch keine Pause in den Wahlkämpfen. Der ein oder andere führt vielleicht in den Sommerurlaub, aber für uns gibt es keine Pause dieses Jahr. Der Erfolg mobilisiert.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Sind die Wählerwanderungen zur FDP denn nur darauf zurückzuführen, dass die Leute im Kreis die große Koalition in Berlin satthaben?

HORST ENGEL: Teilweise sicherlich. Aber ich glaube, entscheidender ist, dass wir derzeit einen echten Finanz-Tsunami erleben, bei dem kein Damm mehr hält. Wenn der Staat eingreift, dann geht der Markt total aus den Fugen. Das sieht man ja auch bei der europäischen Landwirtschaftspolitik. Die FDP ist da marktwirtschaftlich aufgestellt – mit uns würde es keinen Eurocent für Karstadt geben.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Gibt es noch andere Gründe für das derzeitige Hoch der Liberalen?

HORST ENGEL: Die hessische FDP hat im vergangenen Jahr allen Versuchungen zum Trotz daran festgehalten, dass es mit ihr keine Ampelkoalition mit CDU und Grünen geben wird. Das hat’s gebracht. Die Leute wissen, dass die FDP das macht, was sie sagt, und nicht heimlich doch um eine Ampelkoalition herumeiert.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Aber Sie haben doch eine Art Ampelkoalition im Rhein-Erft-Kreis, denn auch hier bei uns werden viele Beschlüsse gemeinsam von CDU, FDP und Grünen gefasst. Messen Sie da nicht mit zweierlei Maß?

HORST ENGEL: Nein, das ist ein besonderes Miteinander hier im Rhein-Erft-Kreis. Wir haben es halt immer mal wieder geschafft, dass die Kollegen von den Grünen den Haushalt mitgetragen haben.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wo sehen Sie denn noch Schwächen bei den Liberalen?

HORST ENGEL: Wir wollen weiter Mitglieder gewinnen. In Pulheim, da haben wir ungefähr 200. Das sind richtig viele. In Kerpen, Erftstadt und Wesseling verfügen wir über mittlere Ortsverbandsstärken von etwa 100 Leuten. Aber in Bedburg, Elsdorf und Bergheim sind die Mitgliederzahlen deutlich kleiner, da können wir noch Zuwächse gebrauchen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Hat der Wahlerfolg Konsequenzen für Ihr Verhältnis zur CDU? Treten Sie künftig selbstbewusster auf bei Verhandlungen?

HORST ENGEL: Dazu ein klares Nein. Wir sind in der Kreisverwaltung gut vertreten. Weitere Posten und Pöstchen, das steht nicht an.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wo sehen Sie die FDP in ein paar Jahren?

HORST ENGEL: Früher, da hat man die FDP immer die Dame ohne Unterleib genannt, was bedeutete, dass wir im Bund gute Ergebnisse geholt haben, aber in den Städten nicht gut waren. Mein Ziel ist es, dass wir hier im Rhein-Erft-Kreis an diesem Unterbau arbeiten. Wir müssen mehr Mandate holen. Das verbessert nicht nur unsere Chancen, vor Ort mitgestalten zu können. Das verbessert auch unsere Chancen bei den anderen Wahlen. Wir müssen den Schwung mitnehmen. Mein Ziel ist es, dass wir uns dauerhaft im zweistelligen Bereich konsolidieren.