Kraftwerkserneuerungsprogramm Braunkohle
Chance für den Wirtschaftsstandort Bergheim/Bedburg
FDP Kreisverband Rhein-Erft

17. März 2009, Kreisverband

KPT-Beschluss v. 14.3.09:

Energiekreis Rhein-Erft

Energie- und Industrieproduktion sichern Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland, in dem am meisten Energie erzeugt wird und dessen Industrie am meisten Energie verbraucht. Mit dem Kraftwerk Niederaussem ist der Rhein-Erftkreis ein Kerngebiet der Stromproduktion aus Braunkohle, die bundesweit ca. – des deutschen Stroms subventionsfrei bereitstellt, den Strom, der in der so genannten Grundlast rund um die Uhr benötigt wird

Mit ihrem Anteil von 11% am deutschen Prim”renergieverbrauch und Vorr”ten, die den -lvorr”ten unter der Nordsee entsprechen, trägt die Braunkohle als einziger heimischer Energieträger nennenswert zur Versorgungssicherheit Deutschlands bei

Im Rahmen des vom Land NRW geforderten Kraftwerkserneuerungsprogramms, nach dem alte gegen neue effizientere Anlagen ersetzt werden und verbunden mit der Entwicklung der CO2-armen Kraftwerkstechnologie, werden wichtige Forderungen der Klimapolitik erfällt, um Kohleverstromung zukunftsfähig zu machen. Moderne Kraftwerkstechnik ist weltweit gefragt, verringert den CO2-Aussto” uns sichert Arbeitsplätze

Projekt Terra Nova – Zukunftslandschaft für Energie

Im Projekt Terra Nova, einem der bedeutendsten Projekte der Regionale 2010, setzen der Rhein-Erft-Kreis, die Städte Bergheim, Bedburg und die Gemeinde Elsdorf sowie weitere Beteiligte Zukunftsimpulse für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region und schaffen zugleich besondere Freizeit- und Grünangebote für die Bevölkerung.

Dies geschieht unter Einbindung von Tagebauen und ihren Folgelandschaften, Braunkohlekraftwerken sowie Anlagen zur Biogaserzeugung, Holzvergasung und weiteren Elementen. Damit ist auch der Kraftwerksstandort Niederaussem ein Baustein von Terra Nova.

Zukunftstechnologie – Innovationszentrum Kohle

Die Weiterentwicklung der Kraftwerkstechnologie im Innovationszentrum Kohle am Standort Niederaussem schafft die Voraussetzung für eine nachhaltige Energieversorgung auf Basis von Braunkohle. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind

  • die Abtrennung des CO2 bei der Vergasung der Kohle
  • CO2-W”scher, mit denen vorhandene und in Bau befindliche BoA-Kraftwerke nachgerüstet werden, um das CO2 abzuscheiden
  • die Wirbelschichttrocknung zur weiteren Erhöhung des Kraftwerkswirkungsgrades
  • die Entwicklung von Verfahren zur Nutzung von CO2 als Wertstoff

In einem ersten kleinen Schritt wird untersucht, Rauchgas aus dem Kraftwerk in Reaktoren mit Mikroalgen zu leiten, die das CO2 zum Wachstum aufnehmen und anschließend als Algenbiomasse energetisch genutzt werden.

Die FDP begrüßt die Einrichtung des Innovationszentrums Kohle und fordert, dort weitere Technologien zu erforschen und zu entwickeln, um

  • langfristig den Pipelinetransport und die dauerhafte Einlagerung von CO2 unnötig zu machen sowie
  • den Rohstoff Kohle durch weitere Verbesserung des Kraftwerkswirkungsgrades so effizient wie möglich zu nutzen.

Kraftwerkserneuerungsprogramm

Im Rahmen des Kraftwerkserneuerungsprogramms sollen bis 2030 die bestehenden Kraftwerksblücke durch jeweils modernste Kraftwerkstechnik ersetzt werden. In diesem Zusammenhang ist bis 2015/16 an den Standorten Bergheim – Niederaussem und Grevenbroich – Neurath die Errichtung von neuen Anlagen vorgesehen. Danach soll das Programm bevorzugt an anderen Standorten z.B. Frimmersdorf fortgesetzt werden.

  • Die FDP begrüßt das Programm, da es dem Klima hilft und zugleich langfristig Arbeitsplätze in der Region sichert.
  • Die FDP fordert, dass die Altanlagen Zug um Zug ersetzt und baldmöglichst alte Kraftwerksflächen zur Errichtung der neuen Anlagen genutzt werden.

Stand der Umsetzung und Weiterentwicklung

  • Standort Neurath
    Am Standort Neurath werden z.Z. BoA 2 und 3 mit insgesamt 2.200 MW installierter Leistung errichtet und werden 2010 bzw. 2011 in Betrieb gehen.
    Entsprechend der Genehmigung für BoA 2&3 werden bis Ende 2012 schrittweise alle 16 x 150 MW-Blücke des Reviers endgültig außer Betrieb gehen (Niederaussem: 2, Frimmersdorf: 11 (1 wurde bereits endgültig stillgelegt) und Weisweiler: 2.
  • Standort Niederaussem
    Geplant ist die Errichtung von zwei Kraftwerksblücken auf Trockenbraunkohlenbasis bis 2015/2016, mit einem Wirkungsgrad von > 47 % und der Möglichkeit zur Nachr”stung einer CO2-Abtrennung.

    Dafür werden kapazitätsgleich 300 MW Blücke dauerhaft stillgelegt, darunter alle 300 MW-Blücke in Niederaussem. (Memo: Stilllegung der 2 Niederaussemer 150 MWBlücken erfolgt entsprechend der Genehmigung für BoA 2&3 bis Ende 2012, wie unter Standort Neurath dargelegt)

    Derzeit führt der Regionalrat Köln das Verfahren zur Behandlung der Anregungen zur Änderung des Regionalplans für den Standort Niederaussem durch, das auf die Festlegung der Flächen für die neuen Kraftwerksblücke zielt. Die Genehmigung der technischen Ausführung der Blücke folgt später in einem gesonderten Verfahren.

  • Standort Knappsack/Goldenbergwerk
    Die erste 450 MW Demonstrationsanlage auf Basis Kohlevergasung (IGCC) einschließlich CO2-Abtrennung, -Transport und “Speicherung entsteht am Standort Knappsack/Goldenbergwerk.
    Damit wird ein wichtiges Zeichen für die Zukunftsfähigkeit der Braunkohle
    gesetzt.
  • Effizienzsteigerung vorhandener Blücke
    Durch Wirkungsgradsteigernde Maßnahmen an vorhandenen Blücken wurden 300 MW an zusätzlicher Leistung geschaffen. Weitere ca. 130 MW sind in Planung oder Umsetzung. Das entspricht fast der Leistung eines – BoA-Blockes und spart Kohle, die nicht verfeuert werden muss.
  • Nachr”stung der CO2-Abtrennung bei BoA”s
    Alle in Bau befindlichen und geplanten BoA-Blücke können mit einer CO2-Abtrennung nachgerüstet werden. Die Technik, die u.a. am Standort Niederaussem entwickelt wird, soll ab ca. 2020 kommerziell zur Verfügung stehen.

FDP fordert integrierten Wirtschaftstandort Bergheim/Bedburg

Der FDP Kreisverband – Erft hatte 1995 das Kraftwerkserneuerungsprogramm als wichtigen Schritt zum Klimaschutz und zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Bergheim/Bedburg begrüßt. Auch die erneute Prüfung hat gezeigt:

  • Das Kraftwerkserneuerungsprogramm ist für die FDP ein wichtiger Bestandteil einer langfristig angelegten, pragmatischen Energie- und Umweltpolitik.
  • Die FDP stellt das “ob” nicht in Frage, sondern will beim “wie” der konkreten Planung aktiv mitwirken, damit den Belangen der betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in möglichst hohem Maß Rechnung getragen und ein Optimum für die Region Bergheim/Bedburg erreicht wird.

Die FDP fordert Unternehmen und Kommunen auf, an der Entwicklung eines Konzeptes “Integrierter Wirtschaftsstandort Bergheim/Bedburg” mitzuwirken und hierzu im bevorstehenden Regionalplanverfahren den erforderlichen Rahmen und die
planerische Flexibilität zu schaffen für:

  • Erhalt und Ausbau langfristig subventionsfreier, hochwertiger und wohnortnaher Arbeitsund Ausbildungsplätze
  • Erhalt akzeptabler Lebens- und Umweltbedingungen
  • gezielte Ansiedlung von Unternehmen mit Bedarf an Dampf und Strom auf den freiwerdenden Altstandorten, um
    – die Ausnutzung der Braunkohle weiter zu verbessern
    – die Dampfschwaden der K”hlt”rme weiter zu verringern und
    – zusätzliche Arbeitsplätze an den Kraftwerksstandorten zu schaffen
  • Nutzung des Energiestandortes zur Weiterentwicklung der Wirtschaftsstruktur und Stärkung von Mittelstand und Handwerk
  • Stärkung der Wirtschaftskraft der Region
  • Sicherung der Wertschöpfung für die Region

FDP begleitet aktiv und erfolgreich die Planungsschritte

Zwischen dem Unternehmen, der Stadt Bergheim und auch mit anderen angrenzenden Gemeinden werden intensive Gespräche geführt, um eine grundsätzliche Verständigung für den Standort Niederaussem zu finden (das Regionalplan-Verfahren für den Standort Niederaussem liegt in der Zuständigkeit des Regionalrates Köln). Die Belange der Bürgerinnen und Bürger der den Kraftwerken benachbarten Ortschaften wie insbesondere Auenheim, Niederaussem, Rheidt-H”chelhoven und Bedburg-Rath spielen dabei eine wesentliche Rolle. Sie wollen

  • Keine Zunahme der Immissionen
  • Keine Verstärkte Schattenbildung oder gesteigerte Niederschläge durch K”hlturmschwaden
  • Keine beherrschendere Silhouette durch noch größere Kraftwerksbauten und durch die Quer- statt L”ngsanordnung der Baukörper aus Sicht von Rheidt-H”chelhoven
  • Keine Zunahme der Verkehrsbelastungen durch Bau und Betrieb der BoA – Blücke

Bereits im Vorverfahren war 2003 auf Antrag des FDP OV-Bergheim ein BoA – Arbeitskreis eingerichtet worden, bestehend aus Vertretern der Stadt Bergheim, des Unternehmens sowie einer Bürgerinitiative, der dazu geführt hatte, dass das Unternehmen seine Planungen in wesentlichen Punkten angepasst hatte z.B. durch

  • Reduzierung der ursprünglich geplanten neu zu bauenden Blücken am Standort Niederaussem von 3 auf 2
  • auerhaft geringere Inanspruchnahme von Freiflächen (40 statt 163 ha)
  • Keine Flächennutzung jenseits der L 279

Im Sinne des integrierten Wirtschaftsstandortes Bergheim/Bedburg fordert der FDP Kreisverband Rhein-Erft daher

vom Unternehmen

  • Begrenzung der Kraftwerksschwaden im Endausbau Niederaussem auf das Maß vor Bau der ersten BoA z.B. durch
    – weitere Wirkungsgradsteigerungen der Kraftwerke
    – Abw”rmenutzung durch Fernw”rme oder Industriebetriebe unter Einsatz entsprechend angepasster Kraftwerkstechnik
  • Umsetzung des Kraftwerkserneuerungsprogramms nicht nur in Neurath und Niederaussem sondern an mindestens drei Standorten, d.h. auch Frimmersdorf
  • überprüfung der Blockplatzierung und -anordnung, um gegenüber Rheidt-H”chelhoven den optischen “Querriegeleffekt” zu verringern und
  • Prüfung des Einsatzes einer “niedrigeren” K”hlturmtechnologie

von Kommunen und Unternehmen

  • ein aktives und gezieltes Standortmarketing für freiwerdende Altflächen, gemeinsam mit kompetenten Partnern wie Wirtschaftsförderungsgesellschaften, der Landesregierung und Projektentwicklern, um die Ansiedlung Technologie – integrierter Unternehmen zu erreichen
  • rechtzeitige Planung von Maßnahmen, die die Ortschaften vor allem während der Bauphase neuer Kraftwerke entlasten. frühzeitige Information der betroffenen Bürger über die geplanten Maßnahmen
  • Berücksichtigung der berechtigten Belange, die von den Bürgerinnen und Bürgern direkt oder z. B. Über gewählte Vertreter formuliert werden
  • Lösungen gemeinsam im offenen Dialog erreichen.
  • Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen
    – für Unternehmen, die für umweltfreundliche Produktionsprozesse Dampf, Strom,
    Wasser und qualifizierte Arbeitskräfte benötigen
    – für mittelständische Industrieservice-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe