Standortentscheidung getroffen: RWE will Kraftwerk mit Kohlevergasung und CO2-Abscheidung in Hürth bauen

29. August 2008, Kreisverband

  • Wahl des Energieträgers Braunkohle ist Bekenntnis zum rheinischen Revier
  • RWE Dea will mögliche Speicherstätten erkunden und plant eine Klimaschutz-Pipeline

RWE erreicht mit seinem Projekt für das großtechnische Kraftwerk mit integrierter Kohlevergasung (IGCC), CO2-Abtrennung, Transport und -Speicherung (CCS) einen wichtigen Meilenstein. Das neue Kraftwerk, das mit heimischer Braunkohle betrieben werden soll, soll am Standort Goldenbergwerk in Hürth bei Köln errichtet werden. Im Rahmen der heutigen Grundsteinlegung für das Steinkohlenkraftwerk in Hamm erklärte Dr. Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE AG: „Wir werden alles daran setzen, dieses innovative Projekt zügig umzusetzen. Mit unserem Know-how wollen wir im Bereich klimafreundliche Technologien voRWEg gehen.“

In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Großmann, dass möglichst schnell ad“quate Rahmenbedingungen für CCS-Technologien geschaffen werden müssten. „Wir sind führend in Sachen klimaverträgliche Kohlenutzung. Die Braunkohle ist der richtige Energieträger, weil sie subventionsfrei und in genügender Menge vorhanden ist, das Goldenbergwerk ein guter Standort und IGCC eine zukunftweisende Technologieß, so Jürgen Großmann. „Wir brauchen für dieses innovative Vorhaben eine breite Unterstützung und auch eine angemessene Förderung.“

Für die Anlage mit 450 MW Leistung, Pipeline und Speicher werden insgesamt rund zwei Milliarden Euro benötigt. RWE hat hierfür bereits eine Milliarde Euro bereitgestellt. „Wir sind bereit, erhebliche finanzielle Risiken mit diesem Projekt einzugehen. Unser Projekt wollen wir auch für weitere verlässliche Partner öffnen“, erläuterte Dr. Johannes Lambertz,Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG. Der ambitionierte Zeitplan sieht bisher eine Fertigstellung des Kraftwerks bis Ende 2014 vor. Lambertz unterstrich: „Das wird nur einzuhalten sein, wenn der angekündigte Rechtsrahmen bald festgelegt und darin beschleunigte Genehmigungsverfahren für Pipeline und Speicher definiert werden.“ Für das Gelingen ist vor allem auch die öffentliche Akzeptanz der neuen Technologie entscheidend. „Unternehmen und Politik sind gemeinsam in der Verantwortung, offen und frühzeitig zu informieren und für diese innovative Form des Klimaschutzes zu werben“, so Johannes Lambertz weiter.

Die Entscheidung für den Standort Goldenbergwerk ist ein Bekenntnis des Unternehmens zur Braunkohle und zum rheinischen Revier. „Mit unserer Entscheidung wollen wir bewusst unserem heimischen Energieträger eine weitreichende Zukunftsperspektive geben“, betonte der Power-Vorstandsvorsitzende. In dem IGCC-Kraftwerk wird die Braunkohle zunächst durch ein von RWE entwickeltes Verfahren vorgetrocknet. Danach erfolgt die Vergasung, bevor das CO2 aus dem erzeugten Synthesegas herausgetrennt wird. Etwa 90 Prozent des im Kraftwerksprozess entstehenden CO2 können abgetrennt und in dafür besonders geeigneten geologischen Gesteinsschichten, so genannten Salinen Formationen, gespeichert werden.

Potenzielle Speicherstätten will RWE Dea in Schleswig-Holstein erkunden. Um das Kohlendioxid vom Kraftwerksstandort im rheinischen Revier zu Speicherstätten in Norddeutschland zu bringen, plant RWE Dea eine Klimaschutz-Pipeline. „Für den Transport von CO2 ist eine Pipeline die sicherste und wirtschaftlichste Variante“, erklärte Dr. Georg Schöning, Vorstandsvorsitzender der RWE Dea AG. Das Raumordnungsverfahren für die Trasse soll möglichst noch in diesem Jahr eingeleitet werden. Ein möglicher Speicher in Schleswig-Holstein kann dann zusätzlich auch für die Einspeisung von CO2 aus anderen, z.B. schleswig-holsteinischen Kraftwerken, genutzt werden.