Sieben Mühlen speiste der Pulheimer Bach

14. Oktober 2006, Kreisverband

Pulheim und Bergheim:
Oft fragen gerade Neubürger ungläubig die Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes Pulheimer Bach, ob es denn stimmt, dass der Pulheimer Bach tatsächlich Wassermühlen gespeist hat.
Verbandsvorsteher Horst Engel: “Ja, sogar insgesamt sieben Wassermühlen.” Die Mühlenstandorte sind auch nach mehreren hundert Jahren heute noch präsent. Meist erinnern Straßennamen daran.
In Glessen, ca. 1 km Bach abwärts nach dem Quellgebiet “Liebes Allee”, findet man die Glessener-Wassermühle. Eine oberschl”chtige Mühle, um 1550 Jh. – sie gehörte zum Gut Neuhof. Bis etwa 1960 hat sie im Dienst der Familie Fabricius gemahlen. Das Mühlengebäude mit dem historischen Fachwerkgiebel ist noch erhalten und dient zu Wohnzwecken.
Am Abtsmühlengraben oder auch G”sgensgraben genannt, ein wertvolles Quellgew”sser, vom Bachverband gerade renaturiert, befand sich auf einem dichten Pfahlrost eine oberschl”chtige Kornmühle, um 1312 Jh. – sie brannte nach einem Blitzschlag nieder.
Bachabwärts ist heute noch das Mühlengebäude der Sintherner–lmühle erhalten. Sie war eine unterschl”chtige -lmühle, die bis zur S”kularisation zur Abtei Brauweiler gehörte, um 14./15. Jh. – bis etwa 1950 wurde Getreide gemahlen. M”chtige Steine des Kollergangs lehnen an der Wand des Nordgiebels, von dort führte früher ein direkter Weg zur Abtei.
Ca. 600 m weiter Bach abwärts, direkt hinter dem Hochwasserschutzdamm, stand die oberschl”chtige Sintherner-Talmühle, um 14./15. Jh. – um 1960. Bei Ausschachtungsarbeiten für die neue Siedlung wurde 1998 vom Grabenmeister des Bachverbandes, Herr Porschen, ein großer, ca. 20 Zentner schwerer M”hlstein gefunden. Er wurde am ehemaligen Mühlenstandort aufgestellt. Mit seinen sechs Kanälen und verstellbaren Sch-leisen erinnert er an die ehemalige Sch-l- und Graupenmühle (Bild). Nur eines Arbeitsganges bedurfte es damals, um Gerstenkürner zu Graupen zu sch-len. Das alte Volksnahrungsmittel stand zu früheren Zeiten in weich gekochter Form auf jedem einfachen Speiseplan.
In Geyen, Am Mühlengrund, befindet sich mit der “Villa Gegina” der zweit-lteste (!) Wassermühlenstandort am Niederrhein (vor 962 – um 1940 Jh.). Das Mühlengebäude steht unter Denkmalschutz. Der ehemalige Mühlenteich wurde verfällt und wird als Sportplatz genutzt.
Am Ortsrand von Pulheim, Zur alten Wassermühle, stand nach einer Schenkungsurkunde von Walram von Jülich (1301 Jh.) die unterschl”chtige Kart”user-Mühle. Noch bis 1930 bezogen die Pulheimer B”cker von dort ihr Mehl.
Dort wo der Pulheimer Bach in die Laache mündet, Reste eines ehemaligen Rheinarms, steht die oberschl”chtige Pletschmühle (13. Jh. – um 1930). Sie gehörte ursprünglich zur Benediktiner-Abtei Brauweiler. Ihr Staurecht reichte bis zur Kart”user-Mühle. Das Mühlengebäude ist noch komplett erhalten und wird als Reiterhof genutzt.