Entwurf “Führungsgrundsätze”

08. Dezember 2004, Fraktionsanträge

Verwaltungsmodernisierung

Entwurf “Führungsgrundsätze”

1.1 Führungsgrundsätze

Die nachfolgenden Führungsgrundsätze beschreiben ein erreichbares Ideal von Zusammenarbeit und Führung, an dem Führung sich orientieren und auch messen lassen muss.

Führungsgrundsätze lassen sich nicht verordnen; sie werden durch die Menschen, die Führungsverantwortung tragen, gelebt.

Die Führungsgrundsätze können weiter entwickelt werden, sodass sie der jeweiligen Organisationskultur Rechnung tragen.

1.1.1 Vorbildfunktion

Führung beginnt bei der eigenen Person. Ihrer Vorbildfunktion werden Führungskräfte nur dann gerecht, wenn sie selbst bereit sind, das zu leisten und zu leben, was sie von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangen. Zu ihrem Auftreten und Handeln gehören Offenheit und Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit.

Führungskräfte nehmen die Beschäftigten als leistungswillige und leistungsfähige Partnerinnen und Partner ernst und akzeptieren die Individualität der Menschen. Sie schaffen so auf der Basis eines positiven Menschenbildes ein Klima des gegenseitigen Vertrauens und Respekts. Berechenbarkeit, Integrität und Loyalität prägen ihr Führungsverhalten.

Führungskräfte vertreten den eigenen Organisationsbereich nach innen und außen mit einer positiven Einstellung.

1.1.2 Innovation

Führungskräfte identifizieren sich mit den Visionen, Leitbildern und Zielen ihrer Organisation. Sie initiieren deren Entwicklung und beteiligen sich aktiv an der Umsetzung. Vorgesetzte beziehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in VerÄnderungsprozesse ein und vermitteln ihnen deren Gründe und Ziele. Neuen Ideen geben sie eine Chance, ohne Bewährtes aufzugeben.

Führungskräfte sind Träger einer modernen und effizienten Dienstleistungskultur und Vorreiter von Modernisierungsmaßnahmen.

1.1.3 Flexibilität

Führungskräfte erweitern ihre Kompetenzen durch Fortbildung und durch die Bereitschaft zu einem Arbeitsplatz- und Aufgabenwechsel. Dadurch verbessern sie ihre Fähigkeiten, übergreifende fachliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Aspekte in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Sie lassen sich vom Prinzip des “Lebenslangen Lernens” leiten.

1.1.4 Information

Führungskräfte informieren ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitnah über Zusammenhänge, die deren Aufgabengebiet und deren persönliche Belange in der Organisation betreffen. Dabei zeigen sie ihnen die übergeordneten Ziele auf, denen ihr Beitrag dient.

Getroffene Entscheidungen werden transparent gemacht.

1.1.5 Delegation

Führungskräfte delegieren Aufgaben, Entscheidungsbefugnis und Verantwortung an die ihnen unmittelbar nachgeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei berücksichtigen sie deren persönliche Fähigkeiten und Kenntnisse. Das Vertrauen, das sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entgegenbringen, stärkt deren Motivation, Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Führungskräfte vertreten sachgerechte Arbeitsergebnisse unabhängig von den eigenen Vorstellungen.

1.1.6 Zielorientierung

Führungskräfte fühlen sich den übergeordneten Organisationszielen verpflichtet, die sie effektiv und effizient verfolgen. In diesem Bewusstsein treffen sie regelmäßig mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zielvereinbarungen.

1.1.7 Kontrolle

Kontrolle ist die notwendige Ergänzung zu den Führungsinstrumenten Delegation und Zielvereinbarung. Deshalb stehen Führungskräfte in einem regelmäßigen und offenen Dialog mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über den Stand der Zielerreichung. Gemeinsam werden die Ergebnisse mit den vereinbarten Zielen verglichen, Ursachen für Abweichungen ermittelt und bei Fehlentwicklungen Wege zur Abhilfe gesucht.

1.1.8 Zusammenarbeit

Führungskräfte fördern Teamgeist. Sie koordinieren die Zusammenarbeit im Team und die gemeinsame Suche nach der besten Lösung. Dabei erkennen sie Leistungen des Teams und der Einzelnen an und geben auch Schwächeren eine Chance, den Anforderungen des Arbeitsplatzes gerecht zu werden. Als Vorgesetzte haben sie Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen; sie berücksichtigen insbesondere die Lebenssituation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Familienaufgaben.

1.1.9 Kritik- und Konfliktfähigkeit

Führungskräfte zeichnen sich durch Kritik- und Konfliktfähigkeit aus. Sie sprechen Probleme rechtzeitig und offen an und führen sie einer Lösung zu, die den beteiligten Personen und der Sache gerecht wird. Dazu gehört, dass Führungskräfte konstruktive Kritik – auch am eigenen Verhalten – zulassen, sich damit auseinander setzen und bereit sind, eigenes Handeln zu überdenken und zu verändern. Hierzu fordern sie eine regelmäßige Rückmeldung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
In diesem Sinne bedeutet das Erkennen von Fehlern einen Ansporn zur Verbesserung und eine Gelegenheit zum eigenen Lernen. Kritik dient damit nicht der Verurteilung einer Person, sondern der gemeinsamen Suche nach Lösungen.

1.1.10 Personalentwicklung

Führungskräfte unterstätzen die stetige Aktualisierung der Kenntnisse und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sie zu befähigen auch unter sich ändernden Bedingungen selbständig und fachgerecht tätig zu sein. Sie erkennen deren Potentiale und unterstätzen sie auch über den eigenen Bereich hinaus bei der beruflichen Entwicklung. Dazu führen Vorgesetzte regelmäßig Mitarbeitergespräche.

Quelle:
Vorlage Innenausschuss 03.12.2004, 13/3088
(Auszug)