Engel: Die Sorgen und Nöte der GalaBau-Betriebe ernst nehmen

10. November 2004, Kreisverband

Bei der Diskussion um “Ein-Euro-Jobs” kristallisiert sich in den letzten Tagen in der öffentlichen Diskussion immer stärker der Bereich “Grünflächenpflege” als Betätigungsfeld heraus.

Schon vor einigen Wochen haben sich die Landschaftsgärtner an alle Oberbürgermeister/innen, Landräte/innen und Direktoren/innen der Agenturen für Arbeit in Nordrhein-Westfalen gewandt und vor diesen überlegungen gewarnt.

“Jeglicher Einsatz von “Ein-Euro-Kräften” mit der Pflege und Unterhaltung von Grünflächen im öffentlichen Bereich wird zwangsläufig zur Freisetzung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Fachunternehmen des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus führen”.

Die GalaBau-Betriebe beschreiben ihre Lage wie folgt:

– In den Jahren 2002 und 2003 haben wir uns bei knapp 800 organisierten Fachunternehmen unserer Branche in Nordrhein-Westfalen von 71 Unternehmen “verabschiedet”.

– Die Lohn- und Gehaltssumme der in unseren Mitgliedsunternehmen beschäftigten Mitarbeiter ist von 2002 auf 2003 um 7 % zurückgegangen. Unter Berücksichtigung der im gleichen Zeitraum stattgefundenen Tariflohnerhöhung von 2,4 % ergibt dies einen Rückgang der Beschäftigtenzahl um rund 1.300 – 1.500 Menschen.

– Aufgrund der bisherigen Zahlen des Jahres 2004 müssen wir ausgehend vom jetzigen Zeitpunkt – hoch gerechnet auf das gesamte Jahr 2004 – mit weiteren 34 abgängigen Fachunternehmen rechnen.

– Auch bei der Zahl der Beschäftigten sind ähnliche Einbrüche zu erwarten.

– Dennoch haben die Bemühungen unserer Branche nicht nur um die Schaffung sondern insbesondere um den Erhalt und die Sicherung von Ausbildungsplätzen oberste Priorität. Per 1. Januar 2004 waren 2.180 Menschen von der zuständigen Landwirtschaftskammer in der Vollausbildung zum Landschaftsgärtner registriert. Das entspricht einer Ausbildungsquote von über 14 %.

– Seit dem 1. Januar 2004 haben wir in unserer Verbandsgeschäftsstelle in Oberhausen eine weitere Dame als “Nachwuchswerbeberaterin” angestellt, um junge Menschen über die Aufgaben und Tätigkeiten des Landschaftsgärtners zu informieren und zu beraten und für die Ausbildung in diesem Beruf zu gewinnen.

– Im letzten Jahr durften wir Herrn Arbeitsminister Harald Schartau – stellvertretend durch Herrn Peter Knappmann, geschäftsführender Gesellschafter unseres Mitgliedsunternehmens Knappmann in Essen, weitere zusätzliche Ausbildungsplätze überreichen.

– An der Lehrstellenaktion des Westdeutschen Rundfunks haben wir uns aktiv mit der übergabe von 85 Ausbildungsplätzen beteiligt.

Wir kennen alle noch den “volkswirtschaftlichen Verschiebebahnhof ABM” mit seinen zum Teil unvorstellbaren Zahlen. Dabei war unsere Branche Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau stets mit über 1/3 der geförderten Arbeitsplätze beteiligt. Anfang bis Mitte der neunziger Jahre führte dies z. B. in Nordrhein-Westfalen zu einem Verhältnis von über 30.000 geförderten ABM-Stellen im grünen Bereich im Vergleich zu 15.000 Stellen im privatwirtschaftlichen Garten- und Landschaftsbau. Mehrere Ruhrgebietsgroßstädte beschäftigten deutlich über 1.000 ABM-Kräfte im Grünflächenamt.

über 300 Beschäftigungsgesellschaften/-Träger tummelten sich ebenfalls im Bereich Garten- und Landschaftsbau in Nordrhein-Westfalen. Dies hat zu dramatischen Einbrüchen in der Auftraggeberstruktur unserer Branche geführt. Noch 1980 war der öffentliche Auftraggeber mit über 50 % am Vergabegesamtmarkt GaLaBau beteiligt. Heute sind es noch gerade eben 17 %!

Wir wissen aus unterschiedlichen Quellen, dass insbesondere die Kommunen unseres Landes geradezu “scharrend” darauf warten, mit “Ein-Euro-Jobs” den Aufwand für die Pflege und Unterhaltung von Grünflächen zu senken. Leider glaubt auch die Politik unvermindert, dass die Pflege und Unterhaltung von Grünflächen von “JEDEM” erledigt werden kann! Genau das Gegenteil ist der Fall.

In den achtziger und neunziger Jahren sind im Rahmen von AB-Maßnahmen Milliarden an Grünflächenwerten durch unsachgemäße Pflege “verbrannt worden”.

Sind Sie bitte nicht so optimistisch anzunehmen, dass die nordrhein-westfälischen Kommunen mit diesen “Ein-Euro-Jobs” zusätzliche Pflegeaktivitäten entwickeln wer-den. Genau wie bei ABM wird es darauf hinauslaufen, die bisher als Vergabe durchge-führte politische Pflichtaufgabe der Pflege und Unterhaltung von Grünflächen durch “Ein-Euro-Kräfte” erledigen zu lassen.

Wie fachlich fordernd und diffizil die Pflege und Unterhaltung von Grünflächen ist, mögen Sie daran erkennen, dass unseren Berufsstand schon seit Jahrzehnten eine interne berufsständische Diskussion begleitet, zusätzlich zu den sieben schon ein-getragenen Gärtnerberufen (Landschaftsgärtner, Friedhofsgärtner, Gemüsegärtner, Obstgärtner, Zierpflanzenbaugärtner, Staudengärtner, Baumschulgärtner) einen zusätzlichen achten Berufsgang “Pflegegärtner” zu installieren. Dies unterstreicht – wie ich meine – eindrucksvoll meine Feststellung, dass es nicht reicht einen Rasenmäher schieben zu können. Ich muss nämlich in gleicher Weise auch wissen, welchen Rasenmäher von der Bauart ich an welchem Kalendertag zu welcher Tageszeit bei welchen Witterungsbedingungen einsetzen kann – oder auch nicht!

Übrigens: wie wenig fachlich und sachlich dazu die Diskussionen im politischen Raum stattfinden mag man daran erkennen, dass man die “Ein-Euro-Jobs” jetzt schaffen will – rechtzeitig wahrscheinlich um Laub fegen zu können, der Verkehrssicherungspflicht nachkommen kann und um danach feststellen zu können, dass die Vegetation in die Winterpause gegangen ist!

Sehen Sie mir meine abschließende, ernst gemeinte Einschätzung nach: der in der öffentlichen Diskussion erkennbare übermäßig geplante Einsatz von “Ein-Euro-Jobs” in der Grünflächenpflege könnte im Ergebnis dazu führen, dass etwa für drei bis vier neu geschaffene “Ein-Euro-Jobs” ein Mitarbeiter aus Mitgliedsunternehmen der von mir vertretenen Branche entlassen wird. Das hätte dann den “Vorteil” aus der Sicht der Kommunen, dass dieser arbeitslos gewordene Landschaftsgärtner nach dem ent-sprechenden Durchlaufen der Agentur für Arbeit als “Fachanleiter” die eingesetzten “Ein-Euro-Kräfte” anleiten und beaufsichtigen kann.

Und wie sollen diese “Ein-Euro-Kräfte” in den 1. Arbeitsmarkt der Fachunternehmen des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus integriert werden, wenn unsere Betriebe dafür keine Aufträge und damit keine Arbeit mehr haben?

Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau
Nordrhein-Westfalen e. V.

Bild:
Horst Engel informierte sich über die
Sorgen und Nöte der GalaBau-Betriebe – hier mit Frank Demel (r.), mit seinem Betrieb in Pulheim-Brauweiler. Frank Demel ist Vorsitzender der GalaBau-Betriebe im Bezirk Köln. Den GalaBau-Betrieben machen insbesondere die sogenannten 1 Euro-Jobs Sorgen, da der Einsatz solcher Kräfte auch im Garten- und Landschaftsbau beabsichtigt ist.